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[ Letztes Update 14.03.2006 ]

Großstadtrap und dicke Mütter
Als hätte sich die HipHop-Crew nie aufgelöst: The Pharcyde begeistern im Palais der Kulturbrauerei

Von Friedrich Rößler

Das Palais in der Kulturbrauerei füllt sich nur langsam. Keine lange
Schlange vor dem Eingang, kein Gedränge vor der Bar und keine Kämpfe um
die wenigen Sitzplätze. Alles wartet geduldig auf Westcoast-Rap aus
South Central L.A., California. The Pharcyde bitten zum Tanz. Auf der
Bühne: ein DJ-Set, zwei Mikrophonständer, ein Schlagzeug und ein
Keyboard.

90 Minuten lang erklingt aber kein für Los Angeles typischer
Gangsta-Rap, sondern wir hören intelligente und verrückte Raps gepaart
mit funky Beats. Großstadtstories, Marihuanaverehrung und Geschichten
über dicke Mütter. Bootie Brown und Imani, die letzten Mohikaner von
The Pharcyde, verstehen es grandios, ihre alten Songs wie "Ya Mama",
"Passing Me By" und "Runnin" so zu performen, als wäre die Zeit stehen
geblieben und die Band nie auseinandergebrochen. Mit DJ, Schlagzeuger
und Keyboarder besteht die Band zwar wieder aus fünf Leuten, doch dies
erst seit einigen Jahren.

In den frühen Neunzigern trafen die drei jungen Tänzer Brown, Imani
und Slimkid Tre bei Auftritten in Los Angeles den Produzenten J-Swift
und gründeten die Crew 242. Nach einigen Tanzauftritten in Videos, bei
Tourneen und in verschiedenen TV-Shows stieß Fatlip zu der Gruppe und
die fünf verrückten Jungs gründen The Pharcyde. Sie nahmen ein Demo auf
und weckten das Interesse vieler Labels. Sie entschieden sich für das
L.A.-Label Delicious, produzieren ihr Debüt-Album "Bizarre Ride II The
Pharcyde" und stellen es in einem Club in Los Angeles vor. Ihr erster
großer Auftritt sollte zur schlechtesten Show aller Zeiten werden.
Trotz des verpatzten Gigs erreichte ihr Album Goldstatus. Die Texte
verbanden Humor, Liebe und Lebenserfahrung und The Pharcyde schafften
es, dem harten Westcoast Rap frischen Wind einzuhauchen, da sie ihre
Tanzerfahrung elegant mit ihrer Musik verbanden. Fortan tourten sie mit
A Tribe Called Quest und De La Soul durch die Welt. Auf "Bizarre Ride
II" folgte zwei Jahre später "Labcabincalifornia" mit den Klassikern
"Somethin' That Means Somethin'" und "Runnin'". Zum wachsenden Erfolg
gesellte sich der Zwist in der Gruppe und so verließen Fatlip und
Slimkid die Band. Weitere Erfolge von The Pharcyde blieben aus. Bootie
Brown und Imani warfen aber trotz finanzieller Schwierigkeiten nicht
alles hin und unterschrieben 2000 völlig überraschend bei dem
Fanta-Vier-Label Four Music. Das Album "Plain Rap" erschien auf dem
europäischen Markt.

Dank dem Engagement der Fantastischen Vier als Labelchefs begeistern
The Pharcyde nun mit Live-Band weiterhin ihre Fans. Im Palais
provozieren sie nach einem abrupten Abgang von der Bühne Zugabe-Rufe
und beenden nach 90 Minuten schweißgebadet ihre Show. Plötzlich
herrscht unter dem völlig erschöpften Publikum Hektik. Imani und Boogie
Brown taggen Flyer und Platten. Wie in den guten alten Zeiten.

Quelle: Berliner Morgenpost 12. März 2006

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