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[ Letztes Update 21.02.2005 ]

HipHop im Sommerloch
aus der Berliner Zeitung

The Pharcyde mit großartigem Konzert, aber kaum einer geht hin HipHop-Konzerte sind wild, anarchistisch und unberechenbar zumindest was ihre Anfangszeiten anbetrifft. Während manche Rapper überpünktlich beginnnen, gerade mal 60 Minuten spielen und den Verspäteten im Publikum böse Überraschungen bereiten, lassen sich andere viel Zeit, bevor sie auf die Bühne schlendern. Es wird behauptet, dies läge am übersteigerten Genuss von Marihuana, das die Reim-Artisten tief in die Polstermöbel der Garderobe drückt und ihnen Aufstehen und Auftreten erschwert. Dass aber die kalifornischen Rapper The Pharcyde am Dienstagabend im Kesselhaus mehr als zwei Stunden auf sich warten ließen, liegt nicht zuletzt an ihren Fans, besser gesagt, an ihrem Ausbleiben. Denn vor der Bühne, auf der sich Berliner DJs um eine gute Aufwärm-Nummer bemühen, gähnt ein riesiges Sommerloch. Einige Zuschauer lehnen an den Wänden oder der Theke, die Jüngeren tuscheln und geben sich schüchtern wie auf dem Abschlussball der Tanzschule. Das ändert sich erst, als der großartige DJ M-Walk seine Arbeit an den Plattenspielern aufnimmt. Mit einer Mischung aus Eleganz und Geschwindigkeit demonstriert er in jenem kurzen Moment sein Können, in dem ihm Bühne und Aufmerksamkeit noch ungeteilt zur Verfügung stehen. Doch schon hört man die Stimme des Entertainers in der Pharcyde-Show: "Berlin, are you ready? Say ,Hey, ho! ", ruft Rapper Imani aus dem Hintergrund, bevor er mit Slim Kid Tre und Bootie Brown die Bühne einnimmt. Die drei kennen sich seit den späten 80ern, in denen sie als Tänzer und Choreographen für TV-Shows arbeiteten. Gemeinsam mit Rapper Fat Lip gründeten sie The Pharcyde, die auf dem Label Delicious Vinyl seit 1992 zwei Alben veröffentlicht haben, die angenehme Distanz zu den Klischees des Gangsta-Raps bewahren. Imani hält nichts von der Coolness, die andere HipHop-Crews bis hin zur Arroganz kultivieren, er sucht vielmehr den Kontakt zu den Fans. In Dialogen zwischen den Songs, die oft länger dauern als die Lieder selbst, pflegt Imani die Frage-und-Antwort-Spielchen, in denen das Publikum Zu- oder Abneigung mit einem simplen "Hey, ho" demonstrieren kann. Das hat zwar wenig Tiefgang, macht aber viel Spaß. Man muss der Band wünschen, dass ihr neues Album "Testing The Waters" endlich den verdienten Durchbruch in Europa bringt, damit hiesige Sommerlöcher kein Thema mehr sind für The Pharcyde, die zu den besten Livebands des HipHop gehören.

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