Niggaz without attitude
von BlackOut
An guten, weil besonders heissen, Tagen liegen Wolken über Los Angeles. Metereologen und andere Miesmacher wittern dann Smog, eine nebulöse Masse aus umweltschmutziger Natur. Marijuanologen und andere Müdemacher wissen es natürlich besser: es ist der Raich der Friedenspfeifen, der da in Schwaden süffig sanft in die Atmosphäre steigt. In kaum einer anderen Musikgattung wird soviel Gras geraucht, wie im HipHop. Und davon wiederum das meiste in Kalifornien. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum die linke Küste der nordamerikanischen Union etwas länger brauchte, um auf sich aufmerksam zu machen. Sicherlich ist es der Hauptgrund für die entspannte Grundhaltung ihrer Advokaten. Doch während Ice T, Too $hort und die Herren von N.W.A. oder Cypress Hill hinter dicken Rauchsäulen und nich minder breiten Beats hauptsächlich Wut und Frust abliessen, geht es der Generation danach um friedvolle Attitüden, wenn überhaupt. Schon seit den frühen Neunzigern verkünden The Pharcyde ihre funktastische Vision von einer besseren, wohlklingenderen Welt in der sich alle lieben und selbsfinden. Nach ihrem Debüt auf dem "Heavy Rhyme Experience" der Brand New Heavies schlug ihr Album "Bizarre Ride II The Pharcyde" 1992 ein wie eine Soundbombe. Jazzy, funky, soulful und entspannt sampelten sieJohn Colltrane und James Brown und phantasierten über "Ya Mama" (..got a glass eye with a fish in it) und das Leben im White House ("If I were President"). Zweitling "Labcabincalifornia" ging noch weiter, konnte aber trotz Kritikerhymnen und verstärkten Videoeinsätzen ihres Rückwärtsvideos "Runnin" (*) nicht mal Blumentöpfe gewinnen. Frustriert zogen Bootie Brown, Slim Kid, Darky Boy und Fat Lip mit einigen "Smokin' Grooves" Touren durch Amerika und produzierten ein (gar nich mal so schlechtes) Album für den (nicht lachen) "Beverly Hills 90210" - Schlingel Brian Green, das natürlich auch floppte. Im letzten Jahr tauchten die Herren hierzulande live und geichzeitig eine eigenverlegte und wunderbare White Label-EP auf, dank derer dir Weitseiter jetzt mit einem kompletten Album bei den Fantasten von Four_music gewürdigt werden. "Plain Rap" heisst das gute neue Stück, das wohl mit dem wohl oft gehörten Satz"Where ya been?" beginnt. Noch ist die CD "Four Promotion Only!", was zwar ein gutes Wortspiel ist, wegen der fehlenden Titelliste allerdings zum lustigen Stückeraten verführt: "Something's got to give" könnte eine Nummer mit Soul-Hook heissen, Misery (Track 5) eine smoothe Eighties-Funk-Ballade, "On the frontline" (Track 11) der ohrwurmige Hit. Alles allerfeinst, sehr schön, und obendrein gibt's wie gewöhnlich ein paar Spontan-Skits, die extrem nach WG-Wohnzimmer klingen.
(*) Anmerkung: Das Video ist "Drop"
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